Mittwoch, 13. Juni 2007 15:10
die begegnung mit helmut gansterer bleibt mir in schöngeistiger erinnerung. als ich daraufhin sein buch “darf man per email kondolieren” las, ließ ich mich zu folgendem essay inspirieren, das gleichermaßen zeitgeist und knigge thematisiert, teilweise ernst oder auch possierlich. es lebe der gangsta!
knigge klingt wie ein ikea möbel, wie ein kollapierender knödel- passend zum zeitgeist, ob knut oder björn, klug oder klischiert, knollengerade oder borniert, globalisierbar, jedem zugänglich, halt vulgarisiert. ähnich auch einem knicks, einer reverenz, einem knack in der birne, einem kniebeugen, nomen est omen, scheinbar, in bezug auf die erzieherischen, schöngeistig-geldadeligen gesetze der moralischen gesellschaft. ist etwa eine neue, more dignified, behendere aufklärung im gange, im sinne eines obsolet gewordenen, nicht mehr so hermetischen freimaurertums? frage, bzw. statement: wie erfrischend ist ein mensch, der sich nix anscheißt, der nicht pavlovesk, kondratieff- oder juglarmäßig dazu konditioniert wurde, anderen gefallen zu wollen, besser toupiert sein zu wollen, weil er unsicher ist, weil er keine glücklichen eltern hatte? ästhetik ist wichtiger als ethik: weil uns die repräsentation, meaning das darstellerische, oberflächlich-angezüchtete bedürfnis nach geltung und anerkennung wichtiger, eleganter, relevanter, ach so signifikanter ist als das ursprüngliche, genetische, hormonelle, zirbeldrüsenhafte sein. wieder die ätzende panzer-diskrepanz zwischen schein und sein, die gesellschaftlich nie überwunden wurde, weil sie kontraproduktiv ist und nicht erwünscht. von wegen aufklärung, le siecle des lumieres, abrakadrabra, menschen werden erst dann bewußt erleuchtet, wenn es die erleuchteteren genehmigen, hurra, opium und geld für das volk, quod licet jovi non licet bovi, es ist der lauf der welt. das dünne licht unser grobgliedrigen evolution öffnet nur die fenster, die geöffnet werden dürfen, nämlich diejenige die als grossspurige ventile für ausgedörrte, sauerstoffarme gemüter zugedacht wurden. das wichtige licht bleibt nach wie vor in der dunkelheit verborgen, nur edlen rittern zumutbar, mit mut und gurt, als prophylaxe für die laien nicht denkbar. die vermeintlich aufklärerische, von adolf knigge, emile rousseau und voltaire u.a erdachte metaebene jenseits von gut und böse gleicht einem blindekuhspiel, das nicht nur zum ergötzen verderbter seelen zum spaße gereicht, sondern eine tiefere erkenntnis in die magischere version der ikonen bringt, nämlich in eine gelenkte, überdachte vision zum wohle einer abstrakten, gläsernen übervision- namens macht.
catherine pandora
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