Beiträge vom September, 2009

Impressionismus: Kunst oder Kitsch?

Freitag, 18. September 2009 12:36

cheers

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Die Albertina lädt zu einer Ausstellung, für die Kunstliebhaber aus aller Welt gerne Schlange stehen. Die Namen Cézanne, Manet, Monet, Renoir und Degas sind Bestseller, Van Gogh als Wegbereiter des Expressionismus ist auch universell einsetzbar. Also reisen „Hans und Grete“ nach Wien, um sich die Impressionisten anzusehen. Eine einfache Sache, Erfolg garantiert, Neid der Nachbarn inklusive.
Immerhin kann jeder den Reiz der in weiße Rüschen gehüllten Dame im Park nachvollziehen, man hört förmlich das Vogelgezwitscher. Der Maler mit Feldstaffelei, Strohhut und Gehrock ist ein Gentleman, die Schiffe im Hafen spiegeln sich bunt im Wasser und die Dame, die sich nach dem Bade abtrocknet, wäre sogar für eine Mönchszelle noch schamhaft genug.

Ich fahre lieber nach Linz. Anders als Ingeborg Bachmann steige ich sogar aus. Dort begegne ich im OK (Offenen Kulturhaus Oberösterreich) einem Hybridwesen, einer Verbindung zwischen Mensch und Pflanze. Die „Edunie“, eine Erfindung des US-Medienkünstlers Eduardo Kac, besteht aus der menschlichen DNA des Künstlers, welche in ein Pflänzchen eingebracht wurde. Nicht ganz wissenschaftlich, dafür aber schräg. Nicht ganz so spektakulär, doch in dieselbe Richtung weist eine angeblich genmanipulierte Nelke, die blauviolette Blüten hervorbringt, was mich an ein Physikexperiment meiner Schulzeit erinnert. Da haben wir ähnliches mit einer Tintenpatrone geschafft, die wir im Blumenwasser aufgelöst haben. Künstliche Sonnenfinsternisse und Wirbelstürme, Dufterlebnisse, Schallplattenexperimente und Computeranimationen lassen mich aus dem Staunen nicht herauskommen: Ich pendle zwischen Ehrfurcht über technische Leistungen und Entsetzen, weil einiges gar so banal wirkt. Der Höhenspaziergang über die Dächer von Linz (im Rahmen von Linz 09) bietet spektakuläre Ausblicke, auch für Menschen, die bis jetzt meinten, sie kennen Linz.
Die Impressionisten sind ideale Einstiegswelt für Kunst-Anfänger aller Altersstufen. Wer aber auf diesem Niveau stehen bleibt, und sich der zeitgenössischen Kunst verschließt, der versäumt eine Menge. So wie einer, der Linz nie von oben sah.

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